Heute ist die gute alte Zeit von in 25 Jahren
- Vicdan Bannasch

- 7. Dez. 2025
- 13 Min. Lesezeit

Manchmal hilft es, über das Heute zu schmunzeln, statt darüber zu grummeln. Grummeln spaltet. Schmunzeln verbindet. Denn jedes Urteil trennt, wo Verständnis eine Brücke bauen könnte.
Auch im Gehirn macht das einen Unterschied: Grummeln aktiviert jene Netzwerke, die Gefahr wittern und trennen. Schmunzeln hingegen öffnet die, die uns verbinden und regulieren. Dein Gehirn ist evolutionär darauf getrimmt, das Grummeln zu wählen (Überlebensnetzwerk). So entstehen aus denselben Gedanken unterschiedliche Wirklichkeiten: eine eng, eine weit. Genau hier beginnt der rote Faden dieses Textes. Wenn du willst, kannst du ihn wie einen Spaziergang durch deine Lebenszeit lesen, bei dem dein Gehirn lernt, vom Grummeln zurück ins Schmunzeln zu wechseln.\
Dieser Text will kein Recht geben und kein Unrecht nehmen, sondern zeigen, dass Wandel zum Leben gehört und dass wir ihn leichter tragen, wenn wir über uns selbst ein wenig lachen können. Du wirst gleich sehen, wie sich dieselben Muster in Musik, Technik, Alltagskomfort und sogar in deiner inneren Haltung wiederholen.
Heute ist die gute alte Zeit. Klingt absurd, oder?
Nicht nur, weil sich Technik rasant verändert, sondern auch, weil sich unsere Rituale, Familienstrukturen und Alltagsrhythmen verschieben. Wir leben in einer Ära digitaler Ablenkung. Jugendliche hängen gefühlt nur noch am Handy, KI soll angeblich das Denken ersetzen und wir regen uns selbst über jede Kleinigkeit auf. Und doch: Jede Generation, die heute schimpft, wird in 25 Jahren auf genau diese Zeit zurückblicken und sich wehmütig fragen: „Damals, damals war noch alles gut.“ Mal ehrlich, der Ärger darüber vergiftet nur uns selbst. Unzufriedenheit raubt den Genuss.
Du darfst das Heute genießen, auch wenn nicht alles perfekt ist.
Diesen Satz "früher war alles besser oder leichter" höre ich in meiner Arbeit mehrmals am Tag und muss jedes Mal schmunzeln. Wenn ich jedes Mal einen Cent dafür bekommen hätte, wäre ich heute wahrscheinlich reich und im Ruhestand.
Wann hast du dich das letzte Mal dabei ertappt, eine Phase deines Lebens zu kritisieren und erst später zu merken, wie wertvoll sie für dich war?

Mein Blickwinkel auf Alltag und Unterbewusstsein
Bevor wir zu den großen Linien zwischen den Generationen kommen, nehme ich dich kurz mit in meinen Praxisalltag.
Aus meiner Arbeit in Klinik und in meiner eigenen Praxis kenne ich den Wandel sehr konkret und erlebe, wie sich Strukturen verändern und wie Menschen darauf reagieren, zum Beispiel im Umgang mit Dokumentation. Früher habe ich mit Bergen handgeschriebener Karteikarten und mühsam sortierten Befunden gearbeitet. Heute erlebe ich digitale Dokumentation, Archivierung und schnelle Suche. Kein Durchwühlen mehr, keine huckeligen Finger, weniger Risiko falscher Akten. Komfort, Entlastung, Effizienz, das schafft mehr Ressourcen für das Menschliche. Genau diese Mischung aus Erleichterung und Verunsicherung begegnet mir in der Zusammenarbeit mit Menschen immer wieder.
Äußere Ordnung wird leichter, wenn innen genug Platz ist.
Die Parallele zur Hypnose: Dein Unterbewusstsein ist der Ort, an dem diese Anpassung stattfindet. So wie du im Außen Akten und Informationen ordnest, kannst du innerlich Gefühle und Gedanken neu sortieren. Ob in Hypnose, im Gespräch oder mit NLP, dein Unterbewusstsein arbeitet immer mit. Wir schaffen eine tiefgreifende Strukturierung und Neuordnung deiner seelischen Lasten, um das Heute bewusster zu genießen. Du lernst, innerlich das zu tun, was Technik äußerlich längst übernommen hat. Sortieren, filtern und bewahren, ohne dich in Nostalgie zu verlieren.

Wandel als Stressor: Wie innere Anpassung gelingt
Wandel wirkt nicht nur im Kopf, er landet im Körper. Wenn sich im Außen viel bewegt, spürst du oft zuerst die Reaktionen in dir. Die Gedanken rasen, du grübelst, verpasst den Moment und fühlst dich gleichzeitig getrieben und erschöpft. Manche beschreiben es als inneren Druck oder als Gefühl, ständig auf dem Sprung zu sein, ohne genau zu wissen wohin.
Dein Nervensystem, vor allem dein inneres Alarmsystem, arbeitet dann auf Hochtouren, während der beruhigende Teil Mühe hat, hinterherzukommen. Die Atmung wird flacher, der Herzschlag schneller, die Muskeln spannen sich an, der Schlaf wird unruhig. Kleine Veränderungen fühlen sich plötzlich groß an. Eine neue Software im Büro, eine Umstrukturierung, ein anderes Gerät im Alltag und dein Körper reagiert, als ginge es um viel mehr als nur um eine Funktion.
Manche Menschen ziehen sich zurück und funktionieren nur noch, andere werden reizbar oder fühlen sich wie betäubt. Auf den ersten Blick sieht das aus wie schlechte Laune oder Schwäche. In Wahrheit versucht dein Körper, mit dem Tempo des Wandels Schritt zu halten und gleichzeitig Sicherheit zu bewahren. Wandel ist dann kein abstraktes Konzept, sondern spürbar im Nacken, im Magen, im Brustkorb.
Dein Körper meldet sich oft früher als dein Kopf. Welches körperliche Signal nimmst du als erstes wahr, wenn dir der Wandel zu viel wird?

Das Muster wiederholt sich. Die Nostalgiefalle
Was ich im Praxisalltag sehe, spiegelt nur wider, was sich schon seit Generationen abspielt.
Dass die Jugend „verblödet“, behaupten schon viele Generationen. Die Kritik an Neuem beginnt immer mit dem ersten Schritt, der das Leben erleichtert.
Jede ältere Generation schimpft über die jüngere. Schon in den 70ern hieß es, Elvis Fans seien ungehobelte Halbstarke, und genau diese damaligen Halbstarken sind heute oft die, die über die Jugend von heute die Stirn runzeln. Dann kam der Walkman, das Handy, das Internet. Heute steht die KI am Pranger. Angeblich der intellektuelle Mähdrescher, der den kreativen Geist ausdünnt. Wer den Fortschritt schimpft, vergisst: Jede Generation profitiert, jede Generation staunt. Und staunen ist Genuss.
Gerade bei KI und AI ist Achtsamkeit entscheidend. Sie kann entlasten und kreative Räume öffnen, sie kann aber auch schaden, wenn wir ihr ungeprüft Verantwortung überlassen, intime Daten füttern oder sie anstelle von menschlicher Verbindung setzen. Es geht nicht darum, sie zu verteufeln oder zu idealisieren, sondern sie bewusst als Werkzeug zu nutzen.
Viele sagen, die heutige Jugend habe kein Allgemeinwissen mehr. Früher wurde Wissen in Mehrgenerationenhaushalten lebendig erzählt. Heute sind Informationen fragmentiert, das Lernen anders, aber nicht weniger wertvoll. Fortschritt bedeutet Luxus und Erleichterung, die wir kaum bemerken, während wir über das, was uns missfällt, stöhnen.
Wenn du magst, kannst du an dieser Stelle prüfen, ob du innerlich eher im Modus des Grummelns oder des Schmunzelns bist.
Wir erleben diese Ironie täglich: Wir grummeln, weil wir uns bei der GPS-Navigation um drei Minuten verspäten, statt uns darüber zu wundern, dass uns ein Apparat in der Hosentasche in Echtzeit über den ganzen Planeten führen kann. Wir seufzen über eine App, die sich neu updatet, vergessen aber die Zeit, die wir früher in Warteschlangen auf Ämtern verbracht haben. Die Beschwerde über Bequemlichkeit ist oft lauter als die Dankbarkeit für die geschenkte Zeit.
Die Ironie des Fortschritts ist zeitlos. Wer heute über KI stöhnt, sollte daran denken, dass einst Glühbirne, Auto, Fahrrad oder Flugzeug Angst machten.
Vom großen Urteil zur kleinen Alltagsverschiebung
Parallel dazu verschieben sich leise unsere persönlichen Lebensrhythmen. Vielleicht arbeitest du heute im Schichtdienst und isst zu Zeiten, in denen früher Feierabend war. Vielleicht triffst du deine Familie häufiger per Sprachnachricht als beim gemeinsamen Sonntagskaffee. Früher verschwand der Vater beim Frühstück hinter der Zeitung und war für niemanden ansprechbar. Heute ist es oft das Handy, hinter dem wir uns kurz vor der Welt verstecken. Solche Verschiebungen fühlen sich zunächst wie Störfaktoren an und werden später zu selbstverständlichen Teilen des Alltags.
Was heute nervt, wird morgen zur Nostalgie.
Wer weiß, ob die Menschen beim Anblick des ersten Streichholzes dachten: „Feuer machen war doch lange Zeit den Meistern vorbehalten, das ist ja viel zu einfach, da verlernt man ja alles!“
Und dann die kleinen Mutproben: Das WC im Garten, im Winter bei Minusgraden, ein echtes Abenteuer. Wer das überlebt hat, trägt eine andere Beziehung zur Natur und Geduld. Wer ginge freiwillig zurück in die eisige Bretterbude? Die Antwort lautet: Niemand.
Vielleicht glaubte man einst, Kohle schleppen halte Geist und Körper wach, während heute der Thermostat den Fortschritt lenkt. Doch das Denken ist nicht verschwunden, es arbeitet nur anders, still, unsichtbar, vernetzt.
Welche technischen Neuerungen hast du zuerst skeptisch gesehen und nutzt sie heute ganz selbstverständlich?
Warum unser Gehirn das Neue verteufelt: Die evolutionäre Basis der Angst
Hinter all diesen Reaktionen steckt kein böser Wille, sondern ein sehr altes Programm im Gehirn. Dein Gehirn ist evolutionär darauf programmiert, Sicherheit über Effizienz zu stellen. Alles, was neu und ungewiss ist, wird zuerst als potenzielle Bedrohung eingestuft. Das ist ein uralter Überlebensmechanismus. Du kannst dir das vorstellen wie einen alten Sicherheitsmodus, der lieber einmal zu viel warnt als einmal zu wenig: Das Altbewährte, auch wenn es mühsam war (wie Kohle schleppen), ist kalkulierbar. Das Neue, die KI oder die digitale Kommunikation, ist ungewiss und muss daher zuerst mental verteufelt werden, bevor es integriert werden kann.
Dieser Mechanismus ist der psychologische Hintergrund des Generationskonflikts. Ältere Generationen haben mehr in die alten Systeme investiert. Deshalb verteidigen sie diese evolutionär bedingt stärker.
Fazit: Fortschritt, Psyche, Evolution und Genuss
Im Kern geht es nicht nur um Technik. Es geht um dein Nervensystem, um das Zusammenspiel von Alarm und Beruhigung in dir.
Dieses innere System lernt durch Wiederholung. Deine Neigung zum Grummeln ist eine Gewohnheit.
Es ist ein Trampelpfad im Gehirn, der jedes Mal tiefer wird, wenn du ihn nutzt.
Wandel, besonders dort, wo Rituale, Abläufe und Gewohnheiten sich verändern, beeinflusst nicht nur unseren Alltag, sondern auch unsere Zufriedenheit. Er erleichtert manches, erfordert Anpassung, bringt uns aus der Komfortzone der Routinen und verändert Denkmuster und Gewohnheiten.
Der Wertekonflikt der Moderne: Die Ambivalenz
Der Kern des Unbehagens liegt oft in einem Wertekonflikt. Ambivalenz ist ein zentrales Gefühl unserer Zeit, weil es selten eine einfache Ja oder Nein Antwort gibt, sondern zwei gleichzeitig empfundene, wichtige Werte miteinander ringen. Wir wollen das Neue und zugleich das Alte bewahren, ein inneres Tauziehen, das emotional zermürben kann.
Vielleicht kennst du das vom Navigationssystem im Auto oder auf dem Handy. Wir lieben die Bequemlichkeit eines Navigationssystems, das uns ohne Mühe ans Ziel bringt. Gleichzeitig spüren wir, dass unser Orientierungssinn und damit unsere Selbstwirksamkeit verkümmern könnte. Das Unbehagen entsteht, weil der Wert der Selbstwirksamkeit durch die Bequemlichkeit hungert.
Auf gesellschaftlicher Ebene erleben wir das Spannungsfeld zwischen Selbstentfaltung, also persönlicher Freiheit, und den Forderungen der Gemeinschaft, also Solidarität.
Dieser äußere Konflikt spiegelt sich im Inneren als Kampf zwischen dem Wunsch nach Selbstwirksamkeit und Meisterschaft, also etwas aus eigener Kraft zu beherrschen, und der Bequemlichkeit und Effizienz, also der Abgabe der Mühe an die Technik.
Wer das bewusst wahrnimmt, kann vom Fortschritt profitieren und zugleich psychisch stabil bleiben. Doch in dieser ewigen Schleife liegt auch die Verantwortung jedes Einzelnen, abzuwägen und aktiv einen Umgang mit dem Neuen zu finden. Wer sich dem Wandel verweigert, wird unweigerlich überholt.
Ambivalenz ist kein Fehler, sondern ein Zeichen, dass dir beide Seiten wichtig sind.
![Mensch steht zwischen Selbstentfaltung und Miteinander und spürt die Ambivalenz zwischen Freiheit und Solidarität.]](https://static.wixstatic.com/media/2dc3d4_63609ab90585404ba05e5c188300c101~mv2.jpg/v1/fill/w_768,h_1024,al_c,q_85,enc_avif,quality_auto/2dc3d4_63609ab90585404ba05e5c188300c101~mv2.jpg)
Übung Vom Grummeln zum Genuss Deine Werteentscheidung
Wenn du magst, kannst du jetzt ausprobieren, wie sich dieser Wertekonflikt in deinem Alltag zeigt.
Diese Übung klärt deinen aktuellen emotionalen Standpunkt, um das Hier und Jetzt zu stärken.
Im ersten Schritt kannst du deine Werte in verschiedenen Lebensbereichen sortieren. Werte sind kontextabhängig. Schau dir zum Beispiel die Bereiche Beruf und Karriere, Familie und Partnerschaft sowie Freunde und Freizeit an. Ordne für dich innerlich oder schriftlich die Bedeutung von Sicherheit und Stabilität, Effizienz und Geschwindigkeit, Selbstwirksamkeit und Meisterschaft sowie Verbundenheit und Gemeinschaft. Was steht im jeweiligen Bereich für dich an erster Stelle, was kommt danach.
Im zweiten Schritt führst du einen inneren Dialog zwischen Gestern und Heute. Wähle eine Technologie oder Gewohnheit, die du vermisst, also Gestern, und eine, die du heute gerne nutzt, also Heute. Schreibe oder denke Fragen wie: Gestern, welche Bedeutung und welchen Wert hattest du, als ich dich genutzt habe, vielleicht Ruhe oder Fokus. Heute, welche Bedeutung und welchen Wert schenkst du mir heute, vielleicht Freiheit oder Zeitersparnis. Frage dich dann: Was verbindet diese beiden Werte, zum Beispiel Kontrolle über mein Leben.
Im dritten Schritt triffst du eine Genussentscheidung im Hier und Jetzt. Damit gibst du dem Heute bewusst ein anderes Gewicht. Schau dir deine Antworten an. Welchen zentralen Wert, zum Beispiel Fokus, Geduld oder Freiheit, musst du jetzt bewusst leben und spüren, um den Genuss des Moments zu aktivieren und das Grummeln zu beenden. Triff eine bewusste Entscheidung, diesen Wert für die nächsten 24 Stunden in den Vordergrund zu stellen.
Heute ist die Zeit, die wir genießen dürfen. Nicht erst in 25 Jahren wehmütig zurückblicken. Wer das Jetzt nicht kostet, wird es später nicht schmecken. Wer überlebt hat, trägt Geschichten im Herzen, wer lebt, schreibt sie weiter.
Wenn du merkst, dass sich der Wandel größer anfühlt, als du ihn allein tragen kannst, ist das ein Zeichen. Dein Zukunfts-Ich wird es dir danken. Wenn die Last der Entscheidung, heute zu handeln, zu groß ist, ist das ein Zeichen. Lass uns im Erstgespräch schauen, wie wir die Schalter im Unterbewusstsein auf Leichtigkeit stellen. Melde dich gerne für ein Erstgespräch.
Wenn du magst, kannst du dir zum Abschluss noch eine Frage mitnehmen.
Wie siehst du den Wandel? Was wirst du später in deiner nostalgischen Zeitkapsel finden, die du heute lebst?
So schließt sich der Kreis dieses Textes. Heute ist die gute alte Zeit von in 25 Jahren. Und du darfst entscheiden, ob du sie grummelnd oder schmunzelnd erlebst.
Fragen und Antworten zum Thema Wandel und Nervensystem
Warum stresst mich Veränderung so stark, obwohl objektiv nichts Schlimmes passiert ist?
Dein Nervensystem unterscheidet nicht sauber zwischen großer Gefahr und sehr viel Neuem auf einmal. Alles, was ungewohnt ist, fordert Aufmerksamkeit und Energie. Wenn mehrere Veränderungen zusammenkommen, fühlt es sich schnell so an, als würde dir der Boden weggezogen, auch wenn von außen nur ein Update, eine Umstrukturierung oder ein neues Gerät zu sehen ist.
Wo ist die Grenze zwischen normalem Anpassungsstress und dem Punkt, an dem du dir Unterstützung holen solltest?
Normaler Anpassungsstress kommt in Wellen und klingt wieder ab, wenn du dich an neue Abläufe gewöhnt hast. Spätestens dann, wenn du dauerhaft erschöpft bist, schlecht schläfst, dein Körper ständig im Alarm ist oder du dich immer mehr zurückziehst und nur noch funktionierst, ist es kein Zeichen von Schwäche, sondern von Selbstfürsorge, dir Hilfe zu holen.
Was kannst du im Alltag tun, um weniger im Grummeln und mehr im Schmunzeln zu landen?
Der erste Schritt ist, zu bemerken, wann du innerlich in den Grummelmodus rutschst. Dann hilft es, kurz innezuhalten, deinen Körper zu spüren und eine kleine Genussentscheidung zu treffen, statt nur zu kritisieren. Das kann ein bewusster Moment am Morgen, ein tiefer Atemzug, eine Tasse Tee oder ein innerer Satz sein wie zum Beispiel ich muss nicht alles gut finden, aber ich darf diesen Moment trotzdem genießen.
Wie kann therapeutische Begleitung dir helfen, mit Wandel besser umzugehen?
In einer therapeutischen Begleitung kannst du deine inneren Reaktionen auf Veränderung sortieren. Du arbeitest an alten Erfahrungen, die dein heutiges Alarmnetzwerk mitsteuern, und stärkst die Anteile, die regulieren und genießen können. Ob im Gespräch, mit Hypnose oder mit NLP Elementen, das Ziel ist immer, dass du das Heute nicht nur ertragen musst, sondern es besser tragen und mit dir und anderen vertragen kannst.
Kann KI eine psychische Diagnose bei dir stellen?
In Klinik und Praxis erlebe ich zunehmend Menschen, die sich von KI oder Suchmaschinen bereits selbst diagnostiziert haben. Oft wirkt das im ersten Moment entlastend, weil es vermeintlich eine klare Erklärung gibt. Gleichzeitig kann es sehr belastend sein, wenn eine künstliche Intelligenz jede Sorge bestätigt oder dramatisiert, ohne dich als ganzen Menschen zu sehen.
KI kann dir Begriffe erklären, Zusammenhänge verständlich machen und dir helfen, deine Fragen zu sortieren. Sie kann aber keine körperliche Untersuchung ersetzen, hört deinen Tonfall nicht, sieht deine Mimik nicht und kennt deine Lebensgeschichte nicht. Viele Systeme sind so programmiert, dass sie eher zustimmend antworten, statt kritisch zu prüfen. Dadurch können Fehldiagnosen entstehen, die Angst verstärken und dich von sinnvoller Hilfe wegführen.
Für eine psychische Diagnose brauchst du immer ein Gegenüber aus Fleisch und Blut, das dich persönlich kennenlernt, nachfragt, einordnet und im Verlauf begleitet. Nutze KI gern als Nachschlagewerk oder zum Verstehen von Fachbegriffen, aber vertraue die Entscheidung über Diagnose und Behandlung immer Ärztinnen, Therapeuten oder anderen Fachpersonen an.
Sinnvoll kann es sein, KI ganz bewusst für deine Regulation zu nutzen. Du kannst sie zum Beispiel nach Entspannungs und Atemübungen fragen oder dir einen sicheren inneren Ort beschreiben lassen, den du vorher in einer Therapie erarbeitet hast. In einer Paniksituation kann ein individuell vorbereiteter Text, den du der KI als Speicher gibst, dich an deine Ressourcen erinnern und dich durch den Moment begleiten, besonders weil das in vielen Sprachen möglich ist. Das ersetzt keine Behandlung, kann aber ein ergänzendes Werkzeug sein, ähnlich wie eine Atempause oder ein kühles Glas Wasser.
Jetzt handeln genieß dein Heute
Warte nicht, bis du in 25 Jahren sagst damals war alles leichter. Deine Möglichkeit zu gestalten liegt immer im Heute. Du kannst heute beginnen, den inneren Trampelpfad vom Grummeln zum Schmunzeln zu verändern. Jede kleine Genussentscheidung und jeder milde Blick auf dich selbst ist ein Signal an dein Nervensystem, dass du nicht nur überlebst, sondern leben darfst.
Bist du bereit, deinem Heute mehr Wert zu geben als der Nostalgie. Dann nimm dir einen Moment Zeit, eine der Übungen auszuprobieren, einen Wert für die nächsten 24 Stunden bewusst zu wählen oder diesen Beitrag mit jemandem zu teilen, der auch oft sagt früher war alles besser.
Wenn du verstehen möchtest, wie dein Denken dich aus Grübelschleifen in Richtung Klarheit führen kann, lies den Beitrag Warum vs Wozu wie Denken das Grübeln stoppt.
Wenn du neugierig bist, wie Erinnerungen entstehen und warum sie manchmal trügen, passt der Beitrag False Memory Effekt wie Vorstellung Erinnerungsfehler wird.
Wenn dich dieser Beitrag berührt hat und du spürst, dass etwas in dir in Bewegung kommt, dann nimm dir einen Augenblick zum Nachspüren. Veränderung beginnt dort, wo Klarheit entsteht und du merkst, dass etwas in dir verstanden werden möchte. Aus dieser Klarheit kann innere Ruhe entstehen, Vertrauen wachsen und ein bewussterer Umgang mit dir selbst reifen.
In meiner Praxis Hypnotherapie Bannasch in Hannover begleite ich Menschen in Phasen von Belastung, Orientierungssuche und persönlicher Veränderung. Schwerpunkte meiner Arbeit liegen in Hypnotherapie, traumasensibler Begleitung, Selbstwert und Ressourcenstärkung, Stress und Emotionsregulation sowie achtsamer Gesprächsführung.
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Zum Weiterlesen
Wenn du die Hintergründe noch tiefer verstehen möchtest, findest du hier eine kleine Auswahl an Studien und Artikeln, die das Thema wissenschaftlich vertiefen.
Eine Forschungsarbeit von John Protzko und Jonathan Schooler aus dem Jahr 2019 zeigt, dass Erwachsene seit vielen Generationen immer wieder glauben, die Jugend von heute sei respektloser oder weniger gebildet, obwohl sich dieses Muster in jeder Epoche wiederholt. Der scheinbare Niedergang der Jugend ist eher ein Wahrnehmungsphänomen als ein Beweis für echten Verfall. Mehr dazu findest du hier
Aktuelle Studien zu Nostalgie, unter anderem von Nicole Kelley und Kolleginnen, weisen darauf hin, dass der liebevolle Blick zurück auf Früher das Wohlbefinden stärkt, weil er Sinn, Zusammengehörigkeit und Dankbarkeit erhöht. Die Vergangenheit wirkt oft wärmer, weil unser Gehirn Belastendes ausblendet und das Verbindende speichert. Mehr dazu findest du hier
Forschungen zum sogenannten Negativitätsbias und zur Stressreaktion zeigen, dass unser Gehirn Bedrohungen und Risiken stärker gewichtet als das, was gut läuft. Das erklärt, warum neue Entwicklungen zunächst kritisch bewertet werden, während Erleichterungen und Komfort fast nebenbei zur Selbstverständlichkeit werden. Mehr dazu findest du hier
Protzko, J., und Schooler, J. W. (2019). Kids these days Why the youth of today seem lacking. Science Advances, 5, eaav5916. Abrufbar unter
Kelley, N. J., Vess, M., und Schlegel, R. J. (2022). Nostalgia confers psychological wellbeing by increasing authenticity. Journal of Experimental Social Psychology, 102, 104379. Abrufbar unter
Baumeister, R. F., Bratslavsky, E., Finkenauer, C., und Vohs, K. D. (2001). Bad is stronger than good. Review of General Psychology, 5, 323 bis 370. Abrufbar unter
Über die Autorin
Vicdan Bannasch ist Heilpraktikerin für Psychotherapie und Hypnotherapeutin. In ihrer Praxis Hypnotherapie Bannasch in Hannover arbeitet sie traumasensibel, ressourcenorientiert und neurobiologisch fundiert. Ihre Schwerpunkte sind posttraumatische Belastungsstörungen, Ängste, Depressionen, Zwangssymptome, ADHS, Schlafstörungen, Schmerzstörungen und Trauerbegleitung. Mehr unter hypnotherapie-bannasch.de.
Sie schreibt darüber, weil sie immer wieder erlebt, wie entlastend es ist, wenn Menschen verstehen, warum ihr Gehirn und ihr Körper so reagieren, wie sie reagieren. Aus den Rückmeldungen ihrer Patientinnen und Patienten weiß sie, dass sie eine besondere Gabe hat, komplexe Inhalte so zu erklären, dass sie verständlich und spürbar werden. Komplexe neurobiologische Zusammenhänge erzählt sie am liebsten so, dass sie im Alltag ankommen und ein leises Schmunzeln erlauben. Schreiben ist für sie eine Form von Begleitung auf Distanz. Leserinnen und Leser sollen sich nicht nur besser informieren, sondern sich selbst milder sehen und vielleicht einen kleinen Genussmoment im Heute finden.



