Erwartungen und Dopamin Teil 3 Die Gegenspieler des Dopamins
- Vicdan Bannasch

- 9. Nov. 2025
- 7 Min. Lesezeit
Einleitung Teil 3 Erwartungen und Dopamin

Balance, die leise Mitte zwischen Wollen und Sein
Zuerst sind wir den unsichtbaren Fäden gefolgt, mit denen Dopamin unsere Erwartungen lenkt.
Dabei wurde sichtbar, wie das Wenn Dann Denken unser Gehirn in Bewegung hält, immer auf der Suche nach dem Nächsten, nie ganz im Jetzt.
Später haben wir den Jäger in uns erkannt, den Teil, der rastlos bleibt, selbst wenn längst genug getan ist. Wir haben verstanden, wie fremde Erwartungen und die alte Jagd nach Bestätigung unseren inneren Kompass verzerren.
Und nun, in diesem dritten Teil, kehren wir zurück zur Mitte. Hier geht es nicht mehr um Jagd, sondern um Balance. Darum, wie das System nach der Bewegung wieder in Ruhe findet und wie Gegenspieler wie Serotonin, Oxytocin und Endorphine das Feuer des Dopamins ausgleichen.
Dieser Teil ist kein Ende, sondern ein Innehalten. Er lädt dich ein zu spüren, wie Bewusstsein und Biologie einander begegnen. Wie Ruhe nicht die Abwesenheit von Antrieb ist, sondern seine Reifung. Wie du lernen kannst, nicht weniger zu wollen, sondern bewusster, bis der Weg selbst zur Erfahrung wird.
Kapitel 7 Neurotransmitter der Balance
Die Gegenspieler des Dopamins
Manchmal beginnt Ruhe genau dann, wenn Gegenspieler ins Spiel kommen.
Wenn der Jäger in uns endlich innehält, beginnt etwas Leises zu wirken. Das Gehirn, das eben noch nach Zukunft jagte, sucht nach Gleichgewicht. Diese Suche ist kein Stillstand, sie ist die Rückkehr zur Mitte.
In uns leben mehrere Stimmen. Dopamin ruft Bewegung, Antrieb, Richtung. Doch sobald die Jagd endet, brauchen wir andere Boten, jene, die sagen: Du bist sicher. Du darfst bleiben.
Diese Gegenspieler sind keine Gegner. Sie sind das Gegengewicht. Sie verwandeln das Feuer des Suchens in das Licht der Präsenz.

Serotonin, der innere Anker
Serotonin wirkt dort, wo dein Denken Wurzeln schlägt, im präfrontalen Cortex, in der Steuerzentrale deiner Vernunft. Es ist die unsichtbare Architektur innerer Ruhe, der feste Fels gegen die Hektik der Welt.
Serotonin sagt deinem Körper: Du bist sicher. Es ist der nährende Ausgleich, der dein System in einem Gefühl tieferer Zufriedenheit und stiller Stärke verankert.
Während Dopamin das Feuer der Erregung entfacht, nährt Serotonin dein Inneres wie ein vollmundiges Mahl für den Geist, satt an Vertrauen, frei von unnötiger Spannung. Es senkt den Puls, klärt den inneren Spiegel und öffnet den Blick für das, was schon Frieden in sich trägt.
Was lässt dich heute wirklich zur Ruhe kommen, Ablenkung oder Vertrauen?
Doch auch Serotonin kann kippen. Wenn es zu laut wird, wird aus Ruhe Trägheit, aus Gelassenheit Gleichgültigkeit. Das Gehirn bleibt ruhig, aber nicht, weil es vertraut, sondern weil es keine Energie mehr für Neugier hat.
Es entsteht eine träge Sattheit. Neugier wird leiser.
Wann wird aus deiner Gelassenheit Gewohnheit?
Oxytocin, die verbindende Welle
Im limbischen System, tief im Zwischenraum zwischen Gefühl und Erinnerung, arbeitet ein anderer Bote: Oxytocin.
Es ist nicht nur ein Molekül, es ist das unsichtbare Band zwischen zwei Herzen, die reine Essenz der Zugehörigkeit. Ein Blick, eine Umarmung, ein ehrliches Wort und die Seele atmet auf: Das Gehirn beantwortet diese Geste der Nähe mit einem warmen, stillen Strom von unerschütterlicher Sicherheit. Oxytocin flüstert der ständigen Jagd nach Bestätigung Einhalt zu und lehrt uns die tiefste Lektion: Die wahre Belohnung liegt nicht im Neuen, sondern in der unwiderruflichen Sanftheit des Vertrauten.
Oxytocin: Trau dem Trauten, es ist dein Vertrauter.
Doch diese unschätzbare Geborgenheit hat ihren Preis. Wenn die Süße der Nähe zu dicht wird, verwandelt sich Verbundenheit in eine goldene Fessel. Das System ist dann so vollkommen beruhigt, dass es die kritische Stimme ausschaltet; die Fähigkeit zur Abgrenzung schmilzt dahin. Es ist ein Rückzugsort, der so sanft einlullt, dass wir vergessen, dass Stärke auch Mut zu Distanz und Konfrontation braucht. Dann wird aus Nähe ein klebriges Festhalten.
Oxytocin erinnert uns daran, dass Zugehörigkeit kein Ziel ist, sondern ein Zustand des Nervensystems.
Wann fühlst du Nähe als Freiheit, wann als Verpflichtung?
Endorphine, die leise Freude
Die endogenen Opioide, Endorphine, Enkephaline, Dynorphine, sind die stillen Alchemisten unseres Inneren. Sie entstehen im Körper, wenn wir uns über uns selbst hinauswagen, wenn das Lachen die Grenzen des Atems streift oder die Bewegung in den Tanz mit der Erschöpfung übergeht. Sie verwandeln den Druck der Anspannung in eine süße, fließende Wärme, die jede Anstrengung in ein Gefühl tiefster, ursprünglicher Befriedigung münden lässt.
Endorphine: Der Schmerzkiller, der Anstrengung in Triumph verwandelt.
Doch auch Endorphine können kippen. Wenn wir zu oft nach diesem selbst geschaffenen Rausch greifen, werden wir blind für das Flüstern des Körpers. Aus der gesunden Schmerzdämpfung wird eine falsche Immunität, die uns lehrt, die Wahrheit der eigenen Verletzlichkeit zu ignorieren. Der goldene Schleier der Euphorie wird zur selbst erschaffenen Sucht nach der Überwindung, und wir beginnen, den Schmerz nicht nur zu lindern, sondern ihn aktiv zu suchen, nur um die narkotische Ruhe des Nicht-Spürens erneut zu erfahren.
Wann fühlt sich deine Erleichterung wirklich wie Erfüllung an?
Das Orchester der Netzwerke
Diese Boten sind keine Solisten. Sie spielen zusammen, wie Instrumente eines inneren Orchesters. Dopamin ist die Trommel, Serotonin das Cello, Oxytocin die Harfe und Endorphine die leisen Geigen.
Inmitten der Musiker sitzt der Dirigent, das Salienznetzwerk. Mit feinem Gespür erkennt er, welcher Klang gerade gebraucht wird: mal fordernder Rhythmus, mal sanfte Harmonie, Fokus oder Ruhe, Jagd oder Sammlung. Er hebt und senkt den Taktstock und bringt die Stimmen im richtigen Moment zum Klingen. So entsteht Kohärenz, die innere Harmonie der Systeme.
Das Gehirn sucht nicht nach Ruhe. Es braucht sie, damit neue Melodien entstehen und Lernen möglich wird.
Balance bedeutet nicht Stillstand, sondern das lebendige Zusammenspiel von Bewegung und Ruhe, die einander wahrnehmen und sich im Wechsel halten.
Was schenkt dir heute Ruhe, nicht weil du sie suchst, sondern weil sie dich findet?
Kapitel 8 Bewusstes Erwartungsmanagement, der Weg zur Balance
Wir sind am Ende der Reise und doch beginnt sie genau hier. Balance öffnet die Tür zur bewussten Haltung.
Nach der Jagd. Nach dem Verstehen. Nach der Stille, die bleibt, wenn Dopamin nicht mehr ruft.
Bewusstes Erwartungsmanagement bedeutet, zu erkennen, wann genug ist. Unser Nervensystem kann nicht zwischen Hunger nach Leben und Hunger nach Reiz unterscheiden. Doch Bewusstsein verwandelt diesen Reflex in Wahl. Nicht das Wollen lenkt uns dann, sondern das Verstehen, was wir wirklich brauchen.
Du musst nicht aufhören zu wollen, du darfst lernen zu wählen.
Die Haltung des Ankommens

Bewusstes Erwartungsmanagement ist kein Konzept, es ist eine Haltung. Es heißt nicht, Erwartungen loszulassen, sondern sie zu durchleuchten. Nicht jede Erwartung fesselt, manche führen nach innen.
Wenn wir verstehen, dass jede Erwartung die Stimme eines bestimmten Bedürfnisses ist, können wir wählen, welcher Melodie wir folgen. So entsteht Freiheit nicht durch Verzicht, sondern durch Klarheit.
Dopamin wird dann nicht länger zur Währung, sondern zum Wegweiser. In der Balance mit Serotonin, Oxytocin und Endorphinen entsteht ein leises Gleichgewicht. Kein Rausch, keine Rastlosigkeit, nur das schlichte Gefühl: Jetzt ist gut. Denn nicht das Ziel entscheidet über Frieden, sondern das Wozu.
Welche Absicht trägt deine Erwartung, suchst du Sicherheit oder suchst du Sinn?
Das Ende der Wenn-Dann Logik
Die Wenn Dann Falle lebt von der Zukunft. Das Bewusste Erwartungsmanagement lebt vom Jetzt.
Es verschiebt den Fokus von „Wenn ich erreiche“ zu „Wozu bewege ich mich?“, eine kleine sprachliche Veränderung mit großer Wirkung. Das Gehirn reagiert auf diesen neuen inneren Ton. Die Jagd wird ruhiger. Der Körper beginnt zu vertrauen.
Dopamin jagt nach Zukunft, Bewusstsein ruht in Gegenwart.
Nicht mehr das Ziel beruhigt uns, sondern das Spüren auf dem Weg dorthin.
Wenn wir diesen Rhythmus verstehen, entsteht Balance: Bewegung ohne Getriebenheit, Ruhe ohne Stillstand, Erfolg ohne Erschöpfung.
Wann fühlt sich dein Fortschritt nach Vertrauen an, nicht nach Flucht?
Die Praxis des Gleichgewichts
Bewusstes Erwartungsmanagement geschieht in kleinen, unscheinbaren Momenten:
Wenn du eine Nachricht erst liest, nachdem du geatmet hast. Wenn du Lob annimmst, ohne sofort Neues zu leisten. Wenn du dich beim Scheitern nicht abwertest, sondern beobachtest.
Jeder dieser Augenblicke stärkt die Fähigkeit, im Jetzt zu bleiben, während das Leben weiterfließt. Es ist keine Disziplin, sondern ein Erinnern, dass Zufriedenheit kein Ziel, sondern ein innerer Klang ist.
Ruhe entsteht, wenn Gegenspieler nicht mehr aufeinanderprallen, sondern ihren gemeinsamen Rhythmus finden und einander antworten.
Übungen zum Schluss
Hinweis zur Haltung Diese Übungen sind Einladungen. Kein Müssen, nur Erkundung. Du entscheidest Dauer und Tiefe.
Atemwechsel Setz dich aufrecht hin. Spüre Füße und Sitzfläche. Zähle beim Einatmen bis vier und beim Ausatmen bis sechs. Fünf Runden. Beobachte, ob der Körper Tun oder Sein wählt.
Wozu vor dem Tun Bevor du beginnst, frage dich leise: Wozu tue ich das jetzt. Nenne einen Grund, der dir gut tut. Wenn keiner auftaucht, erlaube dir eine Pause.
Kontaktanker Lege eine Hand auf die Brust. Heb den Blick in den Raum. Benenne drei Dinge die du siehst, zwei Geräusche und eine Empfindung im Körper. Bleib zehn Atemzüge.
Nähe in Balance Wähle heute eine kurze Begegnung bewusst. Ein ehrliches Danke oder eine klare Grenze. Spüre danach, ob Sicherheit eher aus Nähe oder aus Abgrenzung entsteht.
Liking Protokoll Nach einer Tätigkeit schreibe zwei Sätze. Was war gut. Was war genug. Markiere eine Kleinigkeit, die du beim nächsten Mal langsamer erleben möchtest.
Ankommen beginnt im Jetzt

Vielleicht ist das das wahre Ziel dieser Reise: Nicht weniger zu erwarten, sondern bewusster. Nicht weniger zu fühlen, sondern feiner.
Die Dopaminfalle verliert ihre scheinbare Willkür, sobald du sie erkennst. Denn wer versteht, ist nicht mehr gefangen.
Von der Jagd bis zur Ruhe, alles war Teil derselben Bewegung.
Du musst nicht länger jagen, darfst ankommen und wieder loslassen, denn wahre Balance ist kein Ziel, sondern der ewige Atem des Lebens.
Weiter zu Teil 1 · Weiter zu Teil 2 Wenn dich dieser Beitrag berührt hat und du spürst, dass etwas in dir in Bewegung kommt, dann nimm dir einen Moment Zeit, nachzuspüren. Veränderung beginnt oft dort, wo Klarheit entsteht, wo du erkennst, dass etwas in dir verstanden werden möchte. Aus dieser Klarheit wächst allmählich innere Ruhe, Vertrauen und ein bewussterer Umgang mit dir selbst.
In meiner Praxis Hypnotherapie Bannasch in Hannover begleite ich Menschen in Phasen von Belastung, Orientierungssuche und persönlicher Veränderung. Schwerpunkte meiner Arbeit liegen in Hypnotherapie, traumasensibler Begleitung, Selbstwert und Ressourcenstärkung, Stress und Emotionsregulation sowie achtsamer Gesprächsführung.
Mehr über meine Arbeit findest Du auf www.hypnotherapie-bannasch.de
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